Auto aus Deutschland importieren:
Schritt-für-Schritt-Plan für Belgien und die Niederlande
22. Juli 2026 · 8 Min. Lesezeit
Wer ernsthaft nach einem Kombi, Diesel oder Youngtimer sucht, läuft früher oder später gegen dieselbe Wand: Das belgische und niederländische Angebot ist klein. Hinter der Grenze liegt der größte Automarkt Europas. Ein Auto in Deutschland kaufen und selbst importieren klingt kompliziert, aber innerhalb der EU ist es vor allem Papierkram. Das ist der komplette Plan für 2026, für Belgien und die Niederlande getrennt, inklusive Kosten und Fallstricken. Auch wenn du als Deutschsprachiger in Belgien wohnst oder den Markt von Deutschland aus kennst, liest sich der Ablauf eins zu eins.
Warum ein Auto in Deutschland kaufen?
Deutschland ist schlicht ein viel größerer Markt. Wo du in Belgien drei Exemplare einer bestimmten Ausführung findest, stehen in Deutschland dutzende online. Das bedeutet mehr Auswahl bei Farbe, Ausstattung und Wartungshistorie und damit eine stärkere Verhandlungsposition.
Bestimmte Segmente sind dort außerdem strukturell besser vertreten: große Kombis, Diesel mit Sechszylindern, Youngtimer und üppig ausgestattete Premium-Modelle von BMW, Mercedes und Audi. Viele deutsche Autos sind zudem typische Autobahnautos: hohe Laufleistungen, aber konstante Geschwindigkeit, warmer Motor und oft ein penibel geführtes Scheckheft. In manchen Segmenten liegen die Preise auch spürbar niedriger, wobei das kein Gesetz ist: Rechne immer die gesamten Importkosten mit, bevor du vergleichst.
Wo du suchst: Mobile.de und AutoScout24
Mobile.de ist mit Abstand die größte deutsche Autoseite, mit Händlern und Privatverkäufern. Wer auf Mobile.de ein Auto kaufen will, filtert am besten sofort auf "Privatanbieter" für privates Angebot: Dort sitzen die schärfsten Preise, aber auch die kürzesten Reaktionsfenster. Daneben ist AutoScout24 in Deutschland selbst ebenfalls groß, mit teils anderem Angebot als Mobile.de.
Such gezielt: exaktes Modell, Generation, Ausstattung, maximale Laufleistung. Vergleiche fünf bis zehn Exemplare, bevor du losfährst und prüfe pro Inserat, ob das Scheckheft ("scheckheftgepflegt") und die TÜV-Historie erwähnt sind. Wie du einen Privatverkäufer einschätzt und welche Fragen du stellst, liest du in unserer Checkliste für den Kauf von privat: Die gilt in Deutschland exakt genauso.
Schritt-für-Schritt: Import nach Belgien
1. Kauf und Kaufvertrag. Schließe immer einen schriftlichen Kaufvertrag ab, auch bei einem Privatverkäufer. Standardformulare findest du online. Lass Fahrgestellnummer, Laufleistung, Preis und "gekauft wie gesehen" (oder eben Garantieabsprachen) explizit aufnehmen. Verlange alle Bordpapiere: Zulassungsbescheinigung Teil I und II, Prüfberichte und das Scheckheft. Verhandeln ist erlaubt, auch in Deutschland: Unser Verhandlungsguide funktioniert dort genauso gut.
2. COC-Dokument. Das Certificate of Conformity belegt, dass das Auto den europäischen Normen entspricht. Bei den meisten Autos ab den 2000er-Jahren liegt es bei den Bordpapieren oder du forderst es beim Hersteller an (manchmal gegen Gebühr). Ohne COC wird die Homologation in Belgien ein längeres und teureres Verfahren, also regle das, bevor du bezahlst.
3. Nach Hause fahren oder transportieren lassen. Entweder lässt du das Auto transportieren oder du fährst selbst mit deutschen Exportkennzeichen (Kurzzeitkennzeichen oder Ausfuhrkennzeichen, kurz gültig und inklusive Versicherung, zu beantragen bei einer deutschen Zulassungsstelle). Auf den alten deutschen Kennzeichen des Verkäufers zu fahren ist keine gute Idee: Sobald das Auto abgemeldet ist, bist du unversichert.
4. Zoll und Mehrwertsteuer. Innerhalb der EU gibt es keine Einfuhrzölle und keine Zollformalitäten. Mehrwertsteuer spielt nur bei einem Auto, das steuerlich als neu gilt: jünger als 6 Monate oder weniger als 6.000 km. Dann zahlst du belgische Mehrwertsteuer in Belgien. Einen normalen Gebrauchtwagen kaufst du inklusive deutscher Mehrwertsteuer oder unter der Differenzbesteuerung und es kommt nichts mehr dazu.
5. Prüfung, DIV und Steuern. Das Auto geht zur technischen Prüfung für die Zulassung. Danach meldest du es bei der DIV an (über das rosa Formular, meist über deine Versicherung geregelt). Anschließend zahlst du die Zulassungssteuer (BIV) und die jährliche Verkehrssteuer. Diese Sätze unterscheiden sich je Region (Flandern, Brüssel, Wallonien) und hängen von CO2, Leistung, Alter und Euronorm ab. Sie ändern sich außerdem regelmäßig: Berechne deinen konkreten Fall vorab bei der Vlaamse Belastingdienst oder der zuständigen regionalen Stelle.
Schritt-für-Schritt: Import in die Niederlande
Die ersten drei Schritte (Kaufvertrag, COC, Exportkennzeichen oder Transport) sind identisch. Danach läuft der niederländische Weg über die RDW und den Belastingdienst.
RDW-Prüfung und Kennzeichen. Du meldest das Auto zu einer Importprüfung bei einer RDW-Prüfstelle an. Die RDW kontrolliert Identität und technischen Zustand und vergibt danach ein niederländisches Kennzeichen. Plane diesen Termin früh: Mit einem importierten Auto darfst du nicht unbegrenzt ohne niederländische Zulassung herumfahren.
BPM: der große Kostenposten. Beim Import zahlst du BPM, berechnet auf den CO2-Ausstoß des Autos, mit einem Abschreibungsrabatt auf Basis von Alter und Kursliste. Bei einem sparsamen zehn Jahre alten Auto ist das überschaubar, bei einem jungen Auto mit hohem Ausstoß kann es um tausende Euro gehen und die ganze Ersparnis auffressen. Rechne das also aus, bevor du kaufst, nicht danach: Der Belastingdienst hat dafür einen BPM-Rechner auf belastingdienst.nl. Regeln und Sätze ändern sich regelmäßig, also vertraue auf die aktuellen Zahlen dort und auf rdw.nl, nicht auf Forumposts vom letzten Jahr.
Was kostet der Import aus Deutschland? (Indikation 2026)
| Kostenposten | Indikativer Betrag |
|---|---|
| Transport oder selbst abholen (Anreise + Sprit) | 300 - 800 EUR |
| Deutsche Exportkennzeichen inkl. kurzer Versicherung | 100 - 250 EUR |
| Prüfung (BE: Keuring zur Zulassung / NL: RDW) | 50 - 150 EUR |
| Zulassung und Kennzeichen | 50 - 150 EUR |
| BIV (Belgien, einmalig) | Unterschiedlich je Region und Auto |
| BPM (Niederlande, einmalig) | 0 bis tausende EUR, auf Basis von CO2 |
Indikative Beträge (2026). Sätze und Regeln ändern sich: Prüfe deine konkrete Situation immer bei den offiziellen Quellen (DIV und regionale Steuerbehörden für Belgien, belastingdienst.nl und rdw.nl für die Niederlande), bevor du kaufst.
- 01Such und vergleiche auf Mobile.de und AutoScout24 DE, filtere auf privates Angebot
- 02Besichtige, prüfe TÜV-Berichte und Scheckheft, unterschreibe einen Kaufvertrag
- 03Sorge für das COC-Dokument und alle Bordpapiere (Teil I und II)
- 04Fahr mit Exportkennzeichen nach Hause oder lass das Auto transportieren
- 05Prüfung: Keuring zur Zulassung (BE) oder RDW-Importprüfung (NL)
- 06Melde bei der DIV an und zahl die BIV (BE) oder beantrag ein Kennzeichen und zahl die BPM (NL)
Die Fallstricke: Wo deutsche Schnäppchen schiefgehen
Tachobetrug. Auch in Deutschland werden Kilometerstände zurückgedreht. Verlange immer die alten TÜV-Berichte (dort steht der Stand pro Prüfung) und das vollständige Scheckheft und prüfe, ob die Stände logisch ansteigen. Eine Lücke von zwei Jahren ohne Papiere bei einem Auto mit verdächtig wenigen Kilometern ist ein Grund wegzugehen.
Unfallwagen. Ein Teil des günstigen Angebots besteht aus repariertem Schadensgut ("Unfallwagen"). Frag explizit und schriftlich, ob das Auto unfallfrei ist und schau auf Lackdicke, Spritzränder und Spaltmaße. Im Zweifel: Lass vor der Unterschrift einen Ankaufscheck bei einer deutschen Werkstatt oder Prüforganisation machen.
Anzahlungen an Unbekannte. Überweise nie eine Anzahlung an einen Privatverkäufer, den du noch nie gesehen hast, wie überzeugend die Geschichte auch klingt. Bezahlt wird bei der Übergabe, gegen Schlüssel und Papiere.
Zu schöne Preise. Ein Auto, das tausende Euro unter Marktpreis steht, mit einem Verkäufer, der "im Ausland sitzt" und Transport anbietet, ist fast immer ein Fake-Inserat. Echte Schnäppchen gibt es, aber sie sind scharf bepreist, nicht absurd bepreist und sie sind vor allem schnell weg.
Warum Geschwindigkeit auch auf Mobile.de zählt
Der deutsche Markt ist groß, aber die Konkurrenz auch. Gut bepreiste private Autos auf Mobile.de bekommen innerhalb weniger Stunden dutzende Reaktionen, gerade in den begehrten Segmenten, auf die belgische und niederländische Importeure Jagd machen. Wer das Inserat erst am nächsten Tag sieht, ruft bei einem Verkäufer an, der schon drei Termine stehen hat.
Deshalb überwacht Autoflip mit dem All-in-Paket auch Mobile.de, neben 2dehands.be, Marktplaats.nl und AutoScout24 BE+NL. Du stellst einmal deine Filter ein (Marke, Preis, Erstzulassung, Laufleistung, Kraftstoff) und bekommst innerhalb von Sekunden einen Telegram-Alert, sobald in Deutschland ein passendes privates Inserat online kommt. Für alle, die importieren, um weiterzuverkaufen, ist das der Unterschied zwischen den Deal machen und über den Deal lesen: Wie diese Rechnung funktioniert, liest du in unserem Guide zum Auto-Flipping in Belgien und den Niederlanden.
Häufig gestellte Fragen
Wie viel kostet es, ein Auto aus Deutschland zu importieren?+
Rechne neben dem Kaufpreis mit 300 bis 800 EUR für Transport oder Abholen, 100 bis 250 EUR für deutsche Exportkennzeichen mit Versicherung und 50 bis 150 EUR für die Prüfung. Dazu kommen die Zulassungssteuern: in Belgien die BIV (unterschiedlich je Region), in den Niederlanden die BPM (berechnet auf den CO2-Ausstoß, kann auf tausende Euro steigen). Die Sätze ändern sich regelmäßig, prüfe die aktuellen Beträge bei der Vlaamse Belastingdienst, der DIV oder dem niederländischen Belastingdienst.
Muss ich BPM auf ein importiertes Auto aus Deutschland zahlen?+
Ja, in den Niederlanden zahlst du BPM bei der Zulassung eines importierten Autos. Der Betrag wird auf Basis des CO2-Ausstoßes berechnet, mit einem Abschreibungsrabatt für Gebrauchtwagen. Bei einem sparsamen älteren Auto hält es sich in Grenzen, bei einem jungen Auto mit hohem Ausstoß kann es um tausende Euro gehen. Nutze den BPM-Rechner auf belastingdienst.nl, bevor du kaufst, damit du keine Überraschungen erlebst.
Muss ich Einfuhrzölle oder Mehrwertsteuer auf ein Auto aus Deutschland zahlen?+
Nein, innerhalb der EU zahlst du keine Einfuhrzölle. Mehrwertsteuer zahlst du nur, wenn das Auto steuerlich als neu gilt: jünger als 6 Monate oder weniger als 6.000 km auf dem Tacho. Einen normalen Gebrauchtwagen kaufst du inklusive deutscher Mehrwertsteuer oder unter der Differenzbesteuerung und beim Import kommt nichts dazu. Prüfe aber die aktuellen Regeln beim FÖD Finanzen oder dem niederländischen Belastingdienst, denn auf die Details kommt es an.
Ist ein Auto in Deutschland kaufen günstiger?+
Nicht immer, aber für bestimmte Segmente oft schon. Der deutsche Markt ist viel größer, also ist vor allem bei Kombis, Dieseln, Youngtimern und gut ausgestatteten Premium-Modellen das Angebot breiter und der Preis schärfer. Zähle aber immer Transport, Prüfung und Zulassungssteuern (BIV oder BPM) zum Kaufpreis dazu, bevor du vergleichst: Bei kleinen günstigen Autos wiegt der Vorteil das selten auf.
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